Über modernisierte Texte

Mit seinem Wort „Man soll dem Volk aufs Maul schauen“ hat Luther jede Modernisierung seiner Texte gebilligt, auch wenn dabei viel Poesie seiner ursprünglichen Fassung verloren gehen sollte. Denn sein „Das Wort sie sollen lassen stahn“ bezieht sich ja eindeutig nicht auf historisch einmalige Formulierungen, sondern auf die Glaubensoffenbarung (was er mit seiner Veränderung von fide zu sola fide ja ausdrücklich vorgemacht hat).

Was für seine epochemachende Bibelübersetzung gilt, wie viel mehr muss es für Kirchenliedertexte gelten, noch dazu, wenn sie von weniger Sprachmächtigen, als er es war, stammen.

Dennoch gibt es mancherlei Grund an Textmodernisierungen zu zweifeln.

Beim Lied „Lob Gott getrost mit Singen“ (EG 243) in der 3. Strophe überzeugt mich die Änderung von „Muttr“ in „Mutter je“, auch wenn die Betonung von „ihr eigen“ dann wegfällt.

Die Änderung des 5. Verses von „Lobe den Herren“ (EG 317) in der ökumenischen Fassung (EG 316) hat mich sehr gestört, weil ich immer noch „Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen singen will statt des neuen „Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen“. Dabei ist die neue Fassung freilich inhaltlich stimmiger und für Kinder auch weniger anstößig. Und „Lob ihn in Ewigkeit. Amen“ ist für mich inzwischen selbstverständlich geworden und das alte „Lobende, schließe mit Amen!“ fremd.

Neue Generationen, die mit den neuen Texten aufgewachsen sind, werden mit ihnen wohl sicher besser fahren, auch wenn es für uns Ältere eine Irritation ist, wenn wir bei Liedern, die wir seit Jahrzehnten auswendig können, ständig etwas „Falsches“ singen, wenn wir nicht konzentriert ins Gesangbuch schauen. (Und selbst dann noch sich gelegentlich der alte Text durchsetzt, weil wir den neuen nicht schnell genug aufnehmen können, dass er sich gegen die eingeschliffene Gewohnheit durchsetzen kann.)

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Geschichte, Politik, Literatur
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