Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer (EG 610)

„Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ (deutsch 1970 von Ernst Hansenvollständiger Text) (Gesang) ist eine von zwei bekannten Übersetzungen des schwedischen Liedes „Gud kärlek är som stranden och som gräset“ (Text: Anders Frostenson 1968) (Melodie: Lars Åke Lundberg 1968)  (vollständiger Text) (Gesang).

Mir weniger geläufig ist die Übersetzung von Markus Jenny:  „Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe wie Wind und Wiesen, ewiges Daheim.“ (vollständiger Text) (Gesang) Diese Übersetzung ist aber die im katholischen Raum und in der evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland gebräuchliche.

Das Lied nimmt Gedanken der Studentenbewegung auf: Freiheitsstreben, Selbstfindung, internationale Solidarität und Abwendung vom als ängstlich empfundenen Sicherheitsbedürfnis der älteren Generation.  Doch es fehlt ihm ganz das Kämpferische dieser Bewegung und nicht zuletzt der Zeit der Reformation und der Glaubenskriege.

Merkwürdig scheint, dass trotz der großen Ähnlichkeit beider Übersetzungen sich nicht eine von beiden durchsetzen konnte, wo doch die erste näher am Original, die zweite stärker in der Metapher ist. Mehr als die Nähe der Norddeutschen zum Meer scheint mir der Grund zu sein, dass – nachdem einmal der Vergleich mit dem Meer eingeführt war – die Betonung von Strand und Gras (stärker noch: Ufer) zu sehr die Begrenzung, nicht die unendliche Weite anspricht. Für Katholiken mag Maria als Verkörperung von Gottes mütterlicher Liebe und der Anklang von Maria und Meer (vgl. Meerstern ich dich grüße –Text – Gesang) ein weiteres Motiv sein.

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6 Antworten zu Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer (EG 610)

  1. Kornelius Gölz schreibt:

    „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ hat in meinem Evangelischen Gesangbuch (Ausgabe für Baden, Elsaß, Lothringen) die Liednummer 653. Es gehört nämlich zu den Liedern, gegen die zwar in der Auswahlkommission für den Stammteil des EG große Vorbehalte bestanden, die sich aber dennoch weithin durchgesetzt haben (u. A. auf dem Weg über die Regionalteile).
    Zu diesem eigenartigen Befund gehört, dass die schwedische Vorlage “Guds (sic) kärlek är som stranden och som gräset” selbst eine freie Übertragung des Liedes „Die ganze Welt hast du uns überlassen“ von Christa Weiss ist, der Nummer 360 im EG, wo es mit gleich zwei allerdings schwierig singbaren Melodien erscheint.

  2. Jakob Steinbach schreibt:

    „Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen,…“

    Rassen? Es ist für mich unverständlich, warum dieses Lied im EG zu finden ist.

    1. „Rasse“ ist ein zentraler Begriff der Nazis damals und heute.
    2. Dieser Begriff wird zur Beschreibung des Menschen wird von der Biologie und der Psychologie abgelehnt und nicht mehr verwendet. Die Annahme, Charaktereigenschaften seien vererbbar, ist falsch. Diese Annahme diente dazu zu meinen, vom bloßen Augenschein auf Verhaltensweisen von Menschen schließen zu können. Dies ist nicht möglich.
    3. Eine zweite Bedeutung des Begriffs „Rasse“ bezeichnet das Ergebnis von Tierzucht. In der Agrarwissenschaft wird er ebenfalls nicht mehr verwendet. Eine Zucht der Menschen gab es nie. Zwar gab es im Nationalsozialismus Vorhaben Menschen zu züchten, dies wurde aber glücklicherweise nicht systematisch umgesetzt.
    5. Da der Begriff „Rasse“ zur Beschreibung des Menschen falsch ist, ist dieser Begriff weder theologisch noch geistlich hilfreich. Er ist schädlich.
    6. In der Bibel findet sich der Begriff „Rasse“ nicht. Von manchen rechten Evangelikalen wird dieser Begriff mit dem Begriff „Stamm“ gleichgesetzt. Ich lehne dies ab.

    Also: EG 610, aber auch EG 639 „Damit auch Fremde Freunde werden“ gehören nicht in das Gesangbuch und dürfen m.E. nicht im Gottesdienst gesungen werden. Für eine klare Abgrenzung vom Rassismus ist dies notwendig, denn das Nutzen des Begriffs „Rasse“ ist Rassismus.

    Im Bezug auf diese beiden Lieber schäme ich mich für dieses Gesangbuch.

    Jakob Steinbach

  3. apanat schreibt:

    Ich bin durchaus für politische Korrektheit. – Es ist aber etwas schwierig, sich gegen Rassismus zu wenden, wenn man nicht sagen kann, wogegen sich Rassismus wendet.
    Vorläufig definiert die Wikipedia noch: „Rassismus ist eine Ideologie, die „Rasse“ in der biologistischen Bedeutung als grundsätzlichen bestimmenden Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften deutet. Der Begriff Rassismus entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten.“

    Man findet freilich auch den Artikel „Rassismus ohne Rassen“; aber man darf schwerlich voraussetzen, dass jeder Gottesdienstbesucher das Konzept kennt.
    Mein Vorschlag: Schreib doch eine Strophe, die sich gegen Rassismus wendet, und setze sie hierher. Ich nehme sie dann in den Artikel auf.

  4. Jakob Steinbach schreibt:

    Letztes Jahr in einem Gottesdienst sagte der Prediger: „Nelson Mandela war von einer guten Rasse.“

    Gibt es einen „positiven Rassismus“? Nein. Hier möchte ich natürlich nicht sagen, dass der Predikant ein Nazi ist. Von Rassismus kann aber geredet werden, wenn jemand das Wort „Rasse“ gebraucht, um Menschen zu beschreiben. Der Begriff „Rasse“ ist wissenschaftlich falsch und daher nicht hilfreich. Wer wie dieser Predikant diesen Begriff trotzdem verwendet, kann als ein bewusster oder reflektierter Rassist genannt werden. Der Predikant sagt übrigens selbst von sich, er sei ein Sponti der 68er.

    Der Begriff „Rassismus“ kann natürlich auch geredet werden, wenn Leute ohne den Begriff „Rasse“ zu verwenden, vom bloßen Augenschein auf Handlungsweisen oder Charakteren von Gruppen ähnlichen Aussehens schließen. Hier ist Aufklärung notwendig. Wer eine Predigt hält, kann darin eine Aufgabe sehen.

    Warum unbedingt ein Lied korrekt umschreiben? Ich habe als Kind dieses Lied gern gesungen. Damals habe ich aber den Text noch nicht reflektiert. Mittlerweile finde ich dieses Lied vom Inhalt ziemlich flach. Meines Erachtens könnte es ganz weg. Es gibt so viele Kirchenlieder, die tiefer, lyrischer, bibelbezogener sind als „Herr, mein Liebe“.

    • Jakob Steinbach schreibt:

      Hui! „Herr, meine Liebe“, da hab ich mich verschrieben. Der Titel des Liedes, dass ich nicht mag, beginnt ja mit „Herr, deine Liebe“. Gott, vergib mir.

  5. apanat schreibt:

    Welche Lieder warnen tief, lyrisch und bibelbezogen vor Rassismus?

    Zu meinen Lieblingsliedern gehören „Die Nacht ist vorgedrungen“ und „Der du die Zeit in Händen hast“. Beide sind in einer Zeit, die von fürchterlichem Rassismus geprägt war, geschrieben worden und greifen ihn nicht an.

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