Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369)

Wer nur den lieben Gott läßt walten
Und hoffet auf ihn allezeit,
Den wird er wunderbar erhalten
In aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
Der hat auf keinen Sand gebaut.
Umfragen zufolge ist es das beliebteste Kirchenlied, ein Trostlied, wie es sein Verfasser Georg Neumark selbst genannt hat. Nach seiner Aussage hat er, dem Lied, das er 1641 geschrieben und auch komponiert hat, Vers 23 aus Psalmvers 55 zugrundegelegt: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich wohl versorgen„.
Er wollte nach Königsberg, um dort Jura zu studieren und den Poetiklehrer Simon Dach zu hören. Sicherheitshalber schloss er sich einer Reisegesellschaft an. Doch sie wurden von Räubern überfallen und völlig ausgeplündert. Über Magdeburg, Lüneburg und Hamburg kam er schließlich nach Kiel, wo er endlich ein Auskommen als Hauslehrer fand. Dort dichtete er dies Lied.
Was helfen uns die schweren Sorgen?
Was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, daß wir alle Morgen
Beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
Nur größer durch die Traurigkeit.
Neumark selbst berichtete über seine damalige Stimmung: „So wurde ich so melancholisch, daß oftmals ich des Nachts in meiner Kammer den lieben Gott mit heißen Tränen knieend um Hilfe anflehete“ und fährt dann fort: „welches der liebe und barmherzige Gott, des Güte alle Morgen neu und mich über mein Vermögen nicht versuchte, endlich ganz unvermeint angesehen.“
Man halte nur ein wenig stille
Und sei doch in sich selbst vergnügt,
Wie unsers Gottes Gnadenwille,
Wie sein‘ Allwissenheit es fügt.
Gott, der uns sich hat auserwählt,
Der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

Er kennt die rechten Freudenstunden,
Er weiß wohl, wann es nützlich sei.
Wenn er uns nur hat treu erfunden
Und merket keine Heuchelei,
So kommt Gott, eh wir’s uns versehn,
Und lässet uns viel Gut’s geschehn.

Er hätte wegen seiner gescheiterten Pläne viel Anlass zur Klage gehabt, doch konzentriert er sich auf das, was er nach dem Überfall an Hilfe erfahren hat. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wo fast kein einziger Platz von Kriegshandlungen und marodierenden Soldaten verschont blieb und über ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands umkam, hat er einen Überfall überstanden und – endlich – einen Ort gefunden, wo er bleiben kann.
Denk nicht in deiner Drangsalshitze,
Daß du von Gott verlassen seist,
Und daß der Gott im Schoße sitze,
Der sich mit stetem Glücke speist.
Die Folgezeit verändert viel
Und setzet jeglichem sein Ziel.
Es sind ja Gott sehr leichte Sachen
Und ist dem Höchsten alles gleich,
Den Reichen klein und arm zu machen,
Den Armen aber groß und reich.
Gott ist der rechte Wundermann,
Der bald erhöhn, bald stürzen kann.
Neumark hat das Lied mit 20 Jahren geschrieben. 40 Jahre darauf, in seinem Todesjahr, diktierte er erblindet seinen Kindern den Bericht über die Umstände, aus denen das Lied hervorging.
Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
Verricht das Deine nur getreu
Und trau des Himmels reichem Segen,
So wird er bei dir werden neu;
Denn welcher seine Zuversicht
Auf Gott setzt, den verläßt er nicht.
Der Originaltext Neumarks – Kirchenlieder werden wie Bibelübersetzungen immer wieder dem neuen Sprachgebrauch angenähert – findet sich in der Wikipedia. Dort finden sich auch viele nützliche Links.
Hier kann man einen mehrstimmigen Satz hören, in dem aber die Melodie im Vordergund bleibt, so dass man gut mitsingen kann.
Bachs Kantate Nr.93 gestaltet die Aussage noch vielfältiger aus: Chor und Rezitative, Choral.
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