Der du die Zeit in Händen hast (EG 64)

 Der du die Zeit in Händen hast,
Herr, nimm auch dieses Jahres Last
und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ
die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.
Dies Lied von Jochen Klepper aus „Kyrie. Geistliche Lieder“, 1938, habe ich als Jugendlicher gern gesungen. Grass hat einmal – dem Sinne nach – geschrieben: „Nie wieder liest man Bücher so intensiv wie mit 25 Jahren.“ Von diesem Lied darf ich für mich Ähnliches behaupten. Ich habe als Erwachsener „Meine Zeit steht in deinen Händen“ und „Von guten Mächten treu und still umgeben“ oft gesungen und dann über Margot Käßmanns Hinweise das Lied „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand“ kennen gelernt.

Wenn ich heute diese Lieder singe, gewinnen sie für mich an Intensität dadurch, dass ich mich daran erinnere, wie ich damals dies Lied von Klepper gesungen habe.

Gemeinsam ist den Texten der Blick auf Zeit und Leben und der Gedanke, dass wir in Gottes Hand geborgen sind.

Als Jugendlicher habe ich Lebenszeit wesentlich als Zukunft und damit als etwas Unsicheres gesehen, jetzt ist sie für mich zu einem großen Teil Vergangenheit und insofern ist dieser Teil endgültig für mich aus der Verantwortung, ihn gestalten zu müssen, entlassen.
Doch weiter ist es die Zukunft, für die es für mich wichtig ist, dass sie „in Gottes Hand“ ist.
Da alles, was der Mensch beginnt,
vor seinen Augen noch zerrinnt,
sei du selbst der Vollender.
Die Jahre, die du uns geschenkt,
wenn deine Güte uns nicht lenkt,
veralten wie Gewänder.
Wer ist hier, der vor dir besteht?
Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht:
nur du allein wirst bleiben.
Nur Gottes Jahr währt für und für,
drum kehre jeden Tag zu dir,
weil wir im Winde treiben.
(Psalm 102,25-28 )
Der Mensch ahnt nichts von seiner Frist.
Du aber bleibest, der du bist,
in Jahren ohne Ende.
Wir fahren hin durch deinen Zorn,
und doch strömt deiner Gnade Born
in unsre leeren Hände.
(Psalm 90,9)
Und diese Gaben, Herr, allein
laß Wert und Maß der Tage sein,
die wir in Schuld verbringen.
Nach ihnen sei die Zeit gezählt;
was wir versäumt, was wir verfehlt,
darf nicht mehr vor dich dringen.
Worauf sich diese Gaben bezieht, wird man sich beim Singen nicht immer genau klar machen. Es sind die Gaben, die sich in unseren leeren Händen befinden, nämlich die Gaben, die wir aus Gottes Hand erhalten.
Nachdem ich die Schützmotette „Die mit Tränen säen“ kennengelernt habe, erinnern mich diese Gaben immer wieder einmal an die Garben, die die, die mit Tränen gesät haben, mit Freuden bringen können. Es sind Gaben, die wir dankbar annehmen können, gerade da, wo wir mit Tränen gesät haben.
Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.
Ergänzungen
Heinrich Schütz: Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. (Psalm 126)
Johannes-Brahms-Chor Hannover
Pro Nobis Ensemble
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