Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt (EG98)

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Die Übersetzung dieses Liedes aus dem Englischen stammt von Jürgen Henkys, von dem eine Fülle von Liedübersetzungen ins Evangelische Gesangbuch eingegangen sind (u.a. EG 20, 97, 98, 117, 212, 312, 313, 383, 430, 431, 455). Nachdem ich es häufiger gesungen habe, gefällt es mir fast besser als das englische Original:

1. Now the green blade rises from the buried grain,
Wheat that in the dark earth many years has lain;
Love lives again, that with the dead has been:
love is come again, like wheat that springs up green.

2. In the grave they laid him, Love whom we had slain,
thinking that he’d never wake to life again,
Laid in the earth like grain that sleeps unseen:
Love is come again, like wheat that springs up green.

3. Up he sprang at Easter, like the risen grain,
He who had for three days in the grave cloth lain;
Up from the dead my risen Lord is seen:
Love is come again, like wheat that springs up green.

4. When our hearts are saddened, grieving or in pain,
By your touch you call us back to life again;
Fields of our hearts that dead and bare have been:
Love is come again, like wheat that springs up green.

Daher ziehe ich mein erstes Urteil, als ich das Lied im Zuge der Beschäftigung mit den Kernliedern kennenlernte, zurück. Wieder hat sich mir gezeigt, dass zu Liedern der ständige Umgang gehört. Ein Grund mehr, eine Gruppe von Kernliedern in der Gemeindearbeit besonders zu pflegen.

Jürgen Henkys ist 1954  in die DDR umgesiedelt, um in der Berlin-Brandenburgischen Landeskirche zu unterstützen. Als er dann 1982 in der Bundesrepublik Gastvorlesungen hielt, konnte er hier zur internationalen Öffnung beitragen, insofern er seine Erfahrungen in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Hymnologie und die daraus erwachsenen Kontakte mit niederländischen und skandinavischen Kirchenlieddichtern nutzen konnte. Damit hat er wesentlich zu der Öffnung des Evangelischen Gesangbuches für internationales Liedgut beigetragen. In seinen Worten:

Von Deutschland aus sind seit der Reformation zahllose Lieder in alle Welt exportiert worden, während der Import seltene Ausnahme blieb. […] [Nun] konnten wir unsererseits teilbekommen an einem Reichtum, den es bei uns noch nicht gab: wirklich zeitgenössische Kirchenlieder, die dennoch engen Kontakt zur klassischen Liedertradition hielten, statt sich avantgardistisch oder populistisch gegen diese Tradition absetzen zu wollen.

(Das neue Lied im Evangelischen Gesangbuch. Düsseldorf 1997 , S.107)

Advertisements

Über apanat

Geschichte, Politik, Literatur
Dieser Beitrag wurde unter Übersetzung, Kernlied, Kirchenlied abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s