Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand (EG 533)

Der Eingangssatz des Liedes 533 des Evangelischen Gesangbuches ist dadurch sehr bekannt geworden, dass Margot Käßmann wiederholt und insbesondere nach ihrem Rücktritt vom Vorsitz des Rates der EKD betont hat, dass sie darin Trost gefunden habe.

Der Gedanke, dass Gottes Hand Schutz bietet, ist in der Bibel  geläufig. Am bekanntesten ist er wohl durch das Wort Jesu am Kreuz geworden: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“ (Lukas 23,46; vgl. auch Psalm 31, 6) . Doch der Trost, den der Dichter Arno Pötzsch in seine Formulierung legt, ist im Alten Testament noch sehr weit entfernt, wenn es in  2. Samuel 24, 14 heißt: „lass uns in die Hand des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß; ich will nicht in der Menschen Hand fallen. „

Dabei war 1941, als das Lied entstand, und 1942, als es in den Liederschatz der deutschen evangelischen Gemeinde von Rotterdam aufgenommen wurde, die Gefahr sehr groß, in der Menschen Hand zu fallen. Wurde doch 1942 in der Wannseekonferenz die „Endlösung“ beschlossen.

Die Passage in der Bibel, die dem Gedanken des Liedes am nächsten kommt, findet sich in der apokryphen Weisheit Salomos 3,1 „Aber der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an.“ Also könnte das Wort nur „Gerechten“ als Trost zugesprochen werden.

Und doch mutet der Gedanke als durch Jesu Zeugnis bekräftigt an. So auch der der zweiten Strophe, wonach auch Schuld und Tod in Gottes Gnade aufgehoben werden.

Die dritte Strophe schließlich sieht die Menschen überall und jederzeit „von Gott umgeben“, das Bild der Hand tritt hier zu Gunsten einer allgemeineren Aussage zurück.

(„von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit“ mag freilich manchem allzu konkret klingen, spricht es doch Augustinus Bedenken gegen eine Ansiedlung Gottes in menschlichen Dimensionen an – Bekenntnisse 7. Buch, S.149)

Zusatz vom 7.10.10:
Natürlich ebenfalls in Rückgriff auf Bibelzitate, aber in erstaunlicher Nähe zur späteren Formulierung von Pötzsch steht die letzte Strophe aus Rilkes Herbstgedicht „Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Zusatz vom 5.11.11:

In der Erstveröffentlichung in dem Gedichtband „Von Gottes Zeit und Ewigkeit“ (1947)  lauteten die beiden letzten Zeilen der 3. Strophe noch: „und werden sein und leben / in Gott in Ewigkeit.“ Und das Gedicht stand dort unter der Überschrift „Unverloren“.

Unter derselben Ueberschrift „Unverloren“ findet sich  auch das Gedicht „Ein Stäublein, klein im Staube …“, wo derselbe Hauptgedanke (Geborgenheit in Gott) in der Schlusszeile formuliert ist mit den Worten „dein Gott verliert dich nicht!“. (sieh: Marion Heide-Münnich: Arno Pötzsch. Im Licht der Ewigkeit. Geistliche Lieder und Gedichte, Leinfelden-Echterdingen 2008, S.446 und 245)

Die heute gebräuchliche Melodie stammt von Hans Georg Bertram (1986).

In Kirchenliedern klingt das Bild vom ‚Fallen in Gottes Hand‘ wiederholt an. Vielleicht am deutlichsten in EG 377 von Friedrich Oser, wo es in der 4. Strophe heißt: „Herr, du bist Gott! In deine Hand / o laß getrost uns fallen.“

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2 Antworten zu Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand (EG 533)

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