Verleih uns Frieden

Verleih‘ uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unser’n Zeiten,
Es ist doch ja kein Ander‘ nicht,
Der für uns könnte streiten,
Denn du, unser Gott alleine.

(Martin Luther)

Zu diesem Lied hat Hermann Kopp zwei zusätzliche Strophen geschrieben:

2. Befriede uns uns durch deine Lieb,/ wir trauen dir alleine./
Kein Mensch, noch Staat uns helfen kann,/ da hilft uns kein Geweine./
Du bist unsre Hilf alleine.

3. Durch deine Liebe leben wir,/ erfüllt von großem Hoffen./
Für deine Hilf und deinen Rat/ steh’n unsre Herzen offen./
Auf dich zählen wir alleine.

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Über modernisierte Texte

Mit seinem Wort „Man soll dem Volk aufs Maul schauen“ hat Luther jede Modernisierung seiner Texte gebilligt, auch wenn dabei viel Poesie seiner ursprünglichen Fassung verloren gehen sollte. Denn sein „Das Wort sie sollen lassen stahn“ bezieht sich ja eindeutig nicht auf historisch einmalige Formulierungen, sondern auf die Glaubensoffenbarung (was er mit seiner Veränderung von fide zu sola fide ja ausdrücklich vorgemacht hat).

Was für seine epochemachende Bibelübersetzung gilt, wie viel mehr muss es für Kirchenliedertexte gelten, noch dazu, wenn sie von weniger Sprachmächtigen, als er es war, stammen.

Dennoch gibt es mancherlei Grund an Textmodernisierungen zu zweifeln.

Beim Lied „Lob Gott getrost mit Singen“ (EG 243) in der 3. Strophe überzeugt mich die Änderung von „Muttr“ in „Mutter je“, auch wenn die Betonung von „ihr eigen“ dann wegfällt.

Die Änderung des 5. Verses von „Lobe den Herren“ (EG 317) in der ökumenischen Fassung (EG 316) hat mich sehr gestört, weil ich immer noch „Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen singen will statt des neuen „Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen“. Dabei ist die neue Fassung freilich inhaltlich stimmiger und für Kinder auch weniger anstößig. Und „Lob ihn in Ewigkeit. Amen“ ist für mich inzwischen selbstverständlich geworden und das alte „Lobende, schließe mit Amen!“ fremd.

Neue Generationen, die mit den neuen Texten aufgewachsen sind, werden mit ihnen wohl sicher besser fahren, auch wenn es für uns Ältere eine Irritation ist, wenn wir bei Liedern, die wir seit Jahrzehnten auswendig können, ständig etwas „Falsches“ singen, wenn wir nicht konzentriert ins Gesangbuch schauen. (Und selbst dann noch sich gelegentlich der alte Text durchsetzt, weil wir den neuen nicht schnell genug aufnehmen können, dass er sich gegen die eingeschliffene Gewohnheit durchsetzen kann.)

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Amazing grace

1. Amazing grace, how sweet the sound,
That saved a wretch like me!
I once was lost, but now I am found,
Was blind, but now I see.
2. ‚Twas grace that taught my heart to fear,
And grace my fears relieved;
How precious did that grace appear,
The hour I first believed!
3. Through many dangers, toils and snares,
I have already come;
‚Twas grace that brought me safe thus far,
And grace will lead me home.
4. The Lord has promised good to me,
His word my hope secures;
He will my shield and portion be,
As long as life endures.
5. Yes, when this flesh and heart shall fail,
And mortal life shall cease;
I shall possess, within the veil,
A life of joy and peace.
6. The earth shall soon dissolve like snow,
The sun forbear to shine;
But God, who call’d me here below,
Will be forever mine.

1. Erstaunliche Gnade, wie süß der Klang,
Die einen armen Sünder wie mich errettete!
Ich war einst verloren, aber nun bin ich gefunden,
War blind, aber nun sehe ich.
2. Es war Gnade, die mein Herz Furcht lehrte,
Und Gnade löste meine Ängste;
Wie kostbar erschien diese Gnade
In der Stunde, als ich erstmals glaubte!
3. Durch viele Gefahren, Mühen und Fallen
Bin ich bereits gekommen;
Es ist Gnade, die mich sicher so weit brachte,
Und Gnade wird mich heim geleiten.
4. Der Herr hat mir Gutes versprochen,
Sein Wort macht meine Hoffnung sicher;
Er wird mein Schild und Teil sein,
So lange das Leben währt.
5. Ja, wenn dieses Fleisch und Herz versagen,
Und das sterbliche Leben vergeht,
Werd‘ ich hinter dem Schleier führen,
Ein Leben voll Freude und Frieden.
6. Die Erde wird sich bald auflösen wie Schnee,
Die Sonne aufhören zu scheinen;
Doch Gott, der mich nach hier unten rief,
Wird ewig mein sein.

Der Verfasser des Liedtextes, John Newton, war Sklavenhändler, bevor er ein Bekehrungserlebnis hatte und schließlich mit dem britischen Bischof Wilberforce für die Abschaffung der Sklaverei kämpfte.

Dies Lied wurde bald nicht nur bei weißen Siedlern populär, sondern auch bei Schwarzen und Indianern. Für die Tscherokesen wurde es sogar etwas wie eine Nationalhymne.

Dass ich dieses Lied in meine Kirchenliedersammlung aufnehme, obwohl es offenbar noch keine gereimte deutsche Fassung gibt, liegt an der Wirkungsgeschichte, insbesondere daran, dass Barack Obama es am 17.6. 2015 anlässlich seiner Rede für die Opfer des Anschlages von Charleston gesungen hat.

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Der Himmel, der ist … (EG 153)

1. Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt, wenn einst Himmel und Erde vergehen.

2. Der Himmel, der kommt, das ist der kommende Herr, wenn die Herren der Erde gegangen.

3. Der Himmel, der kommt, das ist die Welt ohne Leid, wo Gewalttat und Elend besiegt wird.

4. Der Himmel, der kommt, das ist die fröhliche Stadt, und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

5. Der Himmel, der kommt, grüßt schon die Erde, die ist, wenn die Liebe das Leben verändert.

Kurt Marti hat sein zweistrophiges Gedicht von 1963 im Jahr 1970 zum fünfstrophigen Gemeindelied ausgebaut.

Ungewöhnlich an dem Lied ist, dass es keine Anrede an Gott ist (Gebet, Lob, Dank), auch keine Aufforderung an die Gemeinde, sondern aus einfachen Aussagesätzen besteht.

Außerdem allerdings ist es – was auch nicht typisch für die Mehrzahl der Kirchenlieder ist – in die Zukunft gerichtet. Mit seinem Bezug auf Offenbarung 21 ist es sogar ausgesprochen eschatologisch. Die Gegenwart interessiert zunächst nur so weit, wie sie sich von der Zukunft, die kommt, unterscheidet. Doch in der 5. Strophe wird angedeutet, wie diese Zukunft schon in unsere Gegenwart hineinleuchten kann.

Improvisation auf der Orgel St. Jakobi in Lübeck und nachfolgender Gesang (mit Textbändern zum Nachvollzug des Textes)

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Stern, auf den ich schaue (EG 407)

Stern, auf den ich schaue,
Fels, auf dem ich steh,
Führer, dem ich traue,
Stab, an dem ich geh,
Brot, von dem ich lebe,
Quell, an dem ich ruh,
Ziel, das ich erstrebe,
alles, Herr, bist du.

Ohne dich, wo käme
Kraft und Mut mir her?
Ohne dich, wer nähme
meine Bürde, wer?
Ohne dich, zerstieben
würden mir im Nu
Glauben, Hoffen, Lieben,
alles, Herr, bist du.

Drum so will ich wallen
meinen Pfad dahin,
bis die Glocken schallen
und daheim ich bin.
Dann mit neuem Klingen
jauchz ich froh dir zu:
nichts hab ich zu bringen,
alles, Herr, bist du!

Text 1857 Adolf Krummacher (1824–1884)

Melodie 1887 Mina Koch (1845–1924), veröffentlicht 1897

Gesang

Mehr dazu in der Wikipedia

 

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Im Lande der Knechtschaft (EG 680) – Mirjamlied

Im 2. Buch Mose, Kapitel 15, Vers 20-21 wird uns von Mirjam, der älteren Schwester Moses,  berichtet, dass sie nach dem glücklichen Durchzug durch das Rote Meer den Freudenzug des Volkes Israels angeführt habe:

20. Die Prophetin Mirjam, die Schwester Aarons, nahm die Pauke in die Hand und alle Frauen zogen mit Paukenschlag und Tanz hinter ihr her.
21. Mirjam sang ihnen vor: Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben! Rosse und Wagen warf er ins Meer.

Auf diese Bibelstelle geht das Lied „Im Lande der Knechtschaft“ (EG 680) zurück, dass im Regionalteil mancher Evangelischen Gesangbücher zu finden ist.

Das Lied (Text und Melodie: Claudia Mitscha-Eibl) im Strophenteil noch recht getragen, wird im Refrain sehr beschwingt (Gesang). Es weist auf das kurze alttestamentliche Canticum der Mirjam hin, dessen Wortlaut wir im 21. Vers finden.

Eine andere Version des Mirjamliedes, die auch in kirchlichem Kontext gesunden wird, beginnt: „Das Volk ist gefangen. Es fühlt sich allein.“

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Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer (EG 610)

„Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ (deutsch 1970 von Ernst Hansenvollständiger Text) (Gesang) ist eine von zwei bekannten Übersetzungen des schwedischen Liedes „Gud kärlek är som stranden och som gräset“ (Text: Anders Frostenson 1968) (Melodie: Lars Åke Lundberg 1968)  (vollständiger Text) (Gesang).

Mir weniger geläufig ist die Übersetzung von Markus Jenny:  „Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe wie Wind und Wiesen, ewiges Daheim.“ (vollständiger Text) (Gesang) Diese Übersetzung ist aber die im katholischen Raum und in der evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland gebräuchliche.

Das Lied nimmt Gedanken der Studentenbewegung auf: Freiheitsstreben, Selbstfindung, internationale Solidarität und Abwendung vom als ängstlich empfundenen Sicherheitsbedürfnis der älteren Generation.  Doch es fehlt ihm ganz das Kämpferische dieser Bewegung und nicht zuletzt der Zeit der Reformation und der Glaubenskriege.

Merkwürdig scheint, dass trotz der großen Ähnlichkeit beider Übersetzungen sich nicht eine von beiden durchsetzen konnte, wo doch die erste näher am Original, die zweite stärker in der Metapher ist. Mehr als die Nähe der Norddeutschen zum Meer scheint mir der Grund zu sein, dass – nachdem einmal der Vergleich mit dem Meer eingeführt war – die Betonung von Strand und Gras (stärker noch: Ufer) zu sehr die Begrenzung, nicht die unendliche Weite anspricht. Für Katholiken mag Maria als Verkörperung von Gottes mütterlicher Liebe und der Anklang von Maria und Meer (vgl. Meerstern ich dich grüße –Text – Gesang) ein weiteres Motiv sein.

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